Meine 10 Jahre mit Astrid
oder
Die Jahre des Elchs
Von kleinen Elchen und Bären
Ich habe dem Bericht die Zweit-Überschrift "Die Jahre des Elchs" verpasst. Wer in den letzten Jahren bei uns in der Wohnung war, wird ahnen, warum. Wir hatten all die Jahre eine intensive Beziehung zu diesen Viechern. Es fing mit einem kleinen, ziemlich frechen Exemplar an, das wir bereits in unserem ersten Jahr bei IKEA gekauft haben. Der Kleine wurde ziemlich schnell zu unserem Reise-Begleiter, er war auf fast allen Reisen mit dabei (es gibt diverse Beweisfotos) und entwickelte schnell einen eigenen Charakter. Es blieb nie ein Name an ihm heften, wir versuchten es mit "Paul", später mit "Hamlet" - zwecklos, letztlich blieb es immer einfach "Elchi". Im Laufe der Zeit bekam er einige Plüsch-Gesellschaft, vor allem aber zwei Geschwister, erst Gosse, einen kleinen Bären (ebenfalls von IKEA), der (umgeben von so vielen Elchen) einen leichten Hang zu Minderwertigkeitskomplexen entwickelte, später Sahib, wie Elchi ein kleiner IKEA-Elch, den wir vom Flohmarkt gerettet haben und der ein ziemlicher Schönling ist (deshalb heißt er manchmal auch einfach nur "Beau"). Elchi musste mit der Zeit lernen, dass er und seine Brüder abwechselnd mit auf Reisen durften (..... obwohl: ziemlich oft durften auch alle drei mit) und auch immer nur einer mit ins Bett durfte (einer von uns hat jeden Abend die sog. "Auswechslung" vorgenommen, die anderen beiden mussten aufs Sofa). Wer Astrid als ruhige, eher ernste und zurückhaltende Frau kennen gelernt hat, dem sei versichert: Sie konnte herrlich albern sein, gerade im Spiel mit unseren drei Plüschies sind da wohl zwei manchmal recht infantile Naturen aufeinander getroffen. Ich habe öfters daran gedacht, dass ein Psychologe wohl seine helle Freude an der Untersuchung unserer Beziehung zu Plüsch-Elchen und -Bären gehabt hätte, aber was soll's. Und ich glaube fest, dass es für Astrid in den Jahren ihrer Krankheit und bei all ihren Problemen wichtig war, albern und ausgelassen sein zu können. Die Plüschies waren irgendwie ein geeignetes Mittel dafür. Und da wir zu den Dreien eine so intensive Beziehung hatten, sind sie für mich ein Stück Astrid, das bei mir geblieben ist. Ich werde sie auf alle Fälle behalten und pflegen - und vielleicht dürfen sie sogar weiter mit auf Reisen.
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| Plüsch-Beweisbilder: |
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| Astrid mit Elchi nach der großen Reise 1995, Elchi auf Bornholm (2003), Gruppenbild mit Dame, Elchi im Kanu in Slowenien (2002), Elchi am Millstädter See (2002) |
Unsere Urlaube
Ja, da wären wir bei unseren Reisen. Das ist auch irgendwie das Erste, was mir einfällt, wenn ich versuche, meine Erinnerungen an Astrid aufzurufen und festzuhalten. Unsere Urlaube waren uns immer wichtig, wir hatten immer sehr viel Spaß an diesen Reisen. Mit Astrid konnte man wunderbar verreisen. Sie hatte Spaß daran, sich Städte und Landschaften anzuschauen, konnte aber auch prima einfach mal 2-3 Tage am Stück am Strand liegen und lesen. Und natürlich sind wir in den Urlauben auch gerne und oft Essen gegangen (zum Thema "Essen" kommt unten noch mehr). Zunächst fallen mir unsere großen Reisen ein (die "Haupturlaube"), die wir in den 10 Jahren gemacht haben. Was haben wir alles gesehen? 1995 haben wir 5 Wochen Insel-Hopping über die Kykladen gemacht. Dies ist der Urlaub, der mir immer am stärksten in Erinnerung geblieben ist: Vielleicht, weil es unser erster gemeinsamer längerer Urlaub war, vielleicht auch, weil wir da noch ziemlich frisch verliebt waren, vielleicht, weil es der längste Urlaub war, den ich je gemacht habe. Ich erinnere mich an unzählige Moussaka-Essen (wir waren noch Studenten und das war überall das Billigste), Vespa-Touren zur Erkundung der Inseln, Cocktails auf Mykonos und Naxos, Überfahrten auf z.T. völlig überfüllten griechischen Fähren, kleine weiß gekalkte Dörfer, die in einem starken Kontrast zum dunkelblauen Meer und Himmel standen, und immer wieder Stops in Tavernen, um etwas Tsatsiki, griechischen Salat oder Schafskäse zu naschen. Es waren uneingeschränkt glückliche Wochen und wir hatten all die Jahre immer mal wieder erwogen, noch einmal auf eine dieser Inseln zu fahren. Für mich werden die Kykladen immer mit Astrid verbunden sein. Ich kann mir nicht vorstellen, Sie noch einmal und ohne sie zu besuchen. In den kommenden beiden Jahren haben wir erneut Griechenland-Urlaube gemacht, 1996 waren wir vier Wochen kreuz und quer durch Kreta gereist, 1997 waren wir für drei Wochen auf Rhodos und Karpathos. An den Kreta-Urlaub habe ich, obwohl er doch schon recht lange er ist, noch recht intensive Erinnerungen: Auch hier haben wir uns öfter eine Vespa gemietet (je weiter man von den Haupt-Touristen-Orten wegkam, desto abenteuerlicher wurden die Fahrzeuge), natürlich immer wieder Tavernen-Stopps eingelegt, wir haben uns Rethymnon und Chania angesehen, einige Wanderungen (bei sengender Hitze) gemacht, aber auch einige Tage einfach faul am Strand gelegen. Ich erinnere mich, dass wir irgendwann im kleinen Ort Castelli gelandet sind, in einer Pension direkt am Strand. Dies war ein toller Ort: Noch weitgehend unentdeckt vom großen Tourismus, ruhig, ein schöner Strand. Hier konnten wir so richtig ausspannen. Es war ein schöner Urlaub, ich erinnere mich aber auch, dass Astrid in den ersten 2-3 Tagen mit Depressionen zu kämpfen hatte (was ich an ihr vorher nicht kannte und was sie seitdem auch nie wieder hatte) und es ihr nicht gut ging. Ich weiß bis heute nicht, was damals eigentlich los war. Ich vermute, sie hat viel an ihre Schwester Christiane gedacht, die im Sommer 1994 gestorben ist und an der sie, glaube ich, sehr gehangen hat. Vielleicht war da nicht aufbereitete Trauer. Ich werde es nie erfahren, was da los war, leider konnte sie es mir nie erzählen und ich war leider auch nicht in der Lage, darauf richtig einzugehen. An den Rhodos-/Karpathos-Urlaub sind meine Erinnerungen nicht mehr so klar, ich vermute, weil die Inseln im Vergleich zu den Kykladen und Kreta eigentlich eher uninteressant sind. Nichts desto trotz war es ein schöner Urlaub, ich erinnere mich an viele Swordfish-Souvlakis und Ausflüge mit Judit und Lars, mit denen wir uns in dem Urlaub angefreundet haben (... und die wir leider 2-3 Jahre später wieder aus den Augen verloren haben). Ich erinnere mich an die Überfahrt nach Karpathos, wo wir irgendwann mitten in der Nacht angekommen sind. Normalerweise stehen an den Fähranlegern immer Leute, die Werbung für ihre Zimmer machen und versuchen, Touristen dorthin abzuschleppen. Hier: Fehlanzeige, wir haben uns die Nacht über auf die Stühle einer (natürlich längst geschlossenen) Strandtaverne gesetzt und (vergeblich) versucht, dort ein wenig zu schlafen. Wir haben dabei einen netten und großen Straßenköter kennen gelernt, den wir Bogumil getauft haben und den wir später ab und an bei Tavernen wieder getroffen (und gefüttert) haben. 1998 waren wir dann an der Mecklenburger Seenplatte und auf Rügen (je 1 Woche), sicher einer unserer schönsten Urlaube. Wir haben mit einem alternativ angehauchten Reiseveranstalter eine einwöchige Kanutour über die Mecklenburger Seenplatte gemacht (Ausgangs- und Zielort war Fürstenberg). Diese Woche war nicht nur ein (für Städter wie uns) intensives Naturerlebnis, sondern hat uns auch ein neues Hobby beschert: Seit 1998 haben wir jedes Jahr mindestens eine Kanutour gemacht. Astrid war eine sehr begabte Steuerfrau, mit der man prima paddeln gehen konnte. Ich erinnere mich, dass wir einmal über einen See gepaddelt sind, der strengste Naturschutz-Zone war, auf dem keine Motorboote erlaubt waren und dessen Ufer ringsum unbebaut und mit dichtem Schilf umgeben war. Unsere Gruppe (15 - 20 Mann) waren die einzigen Menschen auf diesem See. Ich erinnere mich, dass auf einem mal alle ruhig waren und minutenlang einfach die Stille genossen (das einzige Geräusch waren die einstechenden Paddel) und die Natur bewundert haben. Wir haben dort auch eine Wasserschlange gesehen - eigentlich nicht bemerkenswert, aber diese Szene ist uns beiden in Erinnerung geblieben. Astrid hat Jahre später im Rahmen einer Therapie ein Bild über diesen Moment geschrieben - inklusive Wasserschlange, die ihr also auch in Erinnerung geblieben war.
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| Astrids Kanubild: |
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| Man beachte die kleine Wasserschlange |
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| Bilder vom 15.09.2003: |
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| Im Standesamt und Nachmittags bei Café und Kuchen in Ella' s Konditori |
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Wir waren mindestens fünf mal auf Texel gewesen, Astrids absoluter
Lieblingsinsel, zuletzt noch einmal im September 2004. Ich erinnere
mich an viele Tassen Café, viele Frikandel Spezial, Kaas-Souflés und
viele Pommes in den Strandcafés (die dort "Pal" heißen). Ich
erinnere mich an viele kleine und größere Radtouren - Astrid kannte
das Wegenetz tatsächlich auswendig. Ich erinnere mich auch an eine
Tandemfahrt, bei der Astrid so mutig gesteuert hat, dass es zu
folgendem Dialog kam:
- (M:) "Halt an! Halt an!"
- (A:) "Was ist denn los?"
- (M, weinerlich:) "Ich hab´Angst!!!"
- Wir haben uns im Laufe der Jahre viele Städte angeschaut: Bremen, Hamburg, Berlin, Heidelberg, Amsterdam, Straßburg, Oslo, in 2004 dann noch Brüssel und - nachdem wir uns das Jahre lang vorgenommen haben, haben wir es dann im April 2004 doch noch geschafft: - Paris. Zu dieser Tour hat mich Astrid eingeladen, es war ihr Weihnachtsgeschenk 2003 für mich (als Dankeschön für meine Unterstützung in den letzten zwei Jahren; für mich ein beruhigendes Zeichen, dass ich wohl nicht alles falsch gemacht habe). Diese letzte Städtereise war zugleich die schönste. Wir haben strahlenden Sonnenschein gehabt und haben uns drei Tage lang die Sohlen durchgelaufen. Ich erinnere mich, dass Astrid das Marais-Viertel mit seinen trubeligen Sträßchen, aber auch den schönen Cafés und den leckeren Falafel-Imbissen, sehr gefallen hat. Ich erinnere mich an die kleinen tibetischen Restaurants, in denen wir gegessen haben, an die abendlichen Gläser Wein in den Kneipen in der Nähe des Panthéon (in dem Viertel hatten wir unser Hotel) und an das Café auf der Dachterrasse des Kaufhauses Samaritaine mit dem tollen Blick über Paris.
- Wir haben mehrere "Wein-Touren" gemacht, d.h. wir sind ein oder zwei mal pro Jahr über ein Wochenende in irgendein Weingebiet gefahren und haben ein schönes, gemütliches Wochenende mit Wein-Probieren und vor allem auch Wein-Kaufen verbracht. Im Laufe der Jahre waren wir im Rheingau und je zwei mal im Elsass, in Franken und in der Pfalz gewesen. Denke ich an diese Touren, so fallen mir ein: Die guten Essen (z.B. in der Chourcouterie in Strassburg oder im Gasthaus zum Bären in Randersacker), die MS Mecklenburg Vorpommern, die in Würzburg auf dem Main Halt gemacht hat und auf der wir in Strandkörben gesessen und Lübzer Pils getrunken haben, vor allem aber natürlich die guten Winzer und Weine, die wir bei diesen Touren gefunden haben - hier ein paar Empfehlungen: Weingut Blanck in Obernai/Elsass (hier hat Astrid vor allem auch die selbst gebrannten Schnäpse geliebt), Weingut Schmitt's Kinder in Randersacker/Franken, Weinhof Scheu in Schweigen-Rechtenbach/Pfalz.
- Seit 2002 haben wir uns ab und an ein paar Wellness-Tage gegönnt. Vor allem unsere Aufenthalte im Landhotel Jammertal (hier waren wir drei mal) habe ich noch gut vor Augen. Ich weiß noch, wie wir uns einmal ein gemeinsames Kräuterölbad bei Kerzenschein und klassischer Musik gegönnt haben. Die Wannen hatten eingebaute Lichter, die permanent die Farben wechselten, außerdem sprudelten sie - das hatte schon was! Ich erinnere mich auch noch gut, wie sehr Astrid die Buffets im Jammertal geliebt hat, vor allem das große italienische Buffet. Das erste mal waren wir im Frühjahr 2002 im Jammertal, als Astrid die erste Chemo hinter sich hatte. Ich glaube rückblickend, dass das das Beste war, was wir zu dieser Zeit machen konnten, da sie sich hier wirklich rundum wohl gefühlt hat und das Ausruhen, Baden und Schlemmen wirklich genießen konnte. Ich sehe sie noch vor mir, wie sie mit ihrem Piratentuch auf dem Kopf (der Dank Chemo kahl war) auf dem Liegestuhl im Badebereich lag und in den Simonton-Büchern las.
- Eine Zeit lang sind wir zusammen mit Freunden 1-2 mal pro Jahr für ein verlängertes Wochenende nach Holland gefahren, um zu zelten und am Strand Beachvolleyball zu spielen. Ich erinnere mich total gerne an diese Spiele, aber auch an die Grolsch-lastigen Grill-Abende mit Julia, Heiko, Sebastian, Markus und Norbert, in den ersten Jahren auch mit Christian und Anke. Astrid war sehr sportlich (das habe ich weiter oben schon mal gesagt, oder?) und konnte prima mit Bällen umgehen. Ich habe es nie verstanden, wie sie es mit ihren 1,63 ½ Metern geschafft hat, Schmetterbälle zu schlagen ....
Sport
Volleyball war über viele Jahre hinweg unsere Haupt-Sportart. Angefangen hat das mit Uni-Sport, wo wir 1-2 mal die Woche hingegangen sind (legendär: Werners Aufwärmprogramm, das jedes mal endete mit "So, und zum Abschluss noch ein paar Hampelmänner!") . Aus dieser Gruppe hat sich dann nach und nach ein Grüppchen heraus gebildet, dass sich - zwar in wechselnder Besetzung, aber doch mit einem harten Kern - regelmäßig auf der Wiese beim Decksteiner Weiher (Köln) zum Spielen getroffen hat. Es hat sich dann schon bald so ergeben, dass wir oft nicht nur Volleyball gespielt haben, sondern im Anschluss noch gegrillt haben. Zumindest hatte immer einer ein paar Flaschen Bier oder Wein dabei und wir haben oft bis in die Dunkelheit hinein auf der Wiese zusammen gesessen, getrunken und geklönt. Unsere Volleyball-Jahre waren eine schöne Zeit, ich habe es sehr bedauert, dass viele Kontakte nach und nach eingeschlafen sind. In den drei Jahren ihrer Krankheit konnte Astrid leider kein Volleyball mehr spielen. Aufgrund der Entfernung von Lymphknoten in der rechten Achsel bestand bei ihr immer die Gefahr, dass ein Lymph-Ödem entsteht, wenn der Arm zu sehr beansprucht wird. Ich habe selber noch einmal einen Anlauf unternommen, in einer anderen Gruppe zu spielen, aber ohne Astrid hat das nicht halb so viel Spaß gemacht. Irgendwann hatten wir auch angefangen, Badminton zu spielen. Weil ich früher Tennis gespielt habe, hatte ich hier einen Start-Vorteil, aber Astrid hat beängstigend schnell aufgeholt. Sie hat ein paar fiese Schläge entwickelt, die mich oft auf dem falschen Fuß erwischt haben. Am besten kann ich mich noch an unsere zahlreichen Doppel gegen Julia und Heiko erinnern, die immer einen Riesen-Spaß gemacht haben, da wir alles in allem auf einem sehr ausgeglichenen Niveau waren. Astrid ist auch unheimlich gerne mit ihren Inline-Skates losgefahren, teilweise hat sie beträchtliche Strecken zurück gelegt. Ich erinnere mich (in den frühen Inline-Jahren) an die Ausflüge mit Sebastian und Julia, später an unsere Touren zu zweit von Rodenkirchen nach Sürth. Im Frühjahr 2004 sind wir zusammen mit ihrem Kollegen Wolfgang von Köln bis nach Bonn gefahren. Alles in allem war Inline-Skaten leider nie so richtig mein Sport - ich habe nämlich nie gelernt, wie man bremst. Daher ist sie auch häufig alleine, in frühen Jahren gerne auch zusammen mit Sebastian, in den letzten Jahren ab und an mit Antje losgezogen. Auch Fahrrad ist Astrid gerne gefahren. Als sie aufgehört hat zu rauchen, hat sie sich kurz entschlossen ein Rennrad gekauft, um nicht "fett wie eine Schnecke" (O-Ton Astrid) zu werden. So richtig warm wurde sie mit diesem Rad aber nie, wahrscheinlich war es für sie schlicht eine Nummer zu groß. Seit 2000 haben wir jedes Jahr (nur 2002 Chemo-bedingt unterbrochen) zusammen mit Freunden eine 3-tägige Pfingstradtour gemacht. An diese Touren habe ich viele schöne Erinnerungen, vor allem an die schönen Abende, die wir in großer Runde verbracht haben. Ich erinnere mich außerdem an die rasante Abfahrt, die wir am ersten Tag der Nahe-Rundfahrt hatten, den fantastischen Biergarten am Niederrhein, in den wir bei unserer ersten Tour am Pfingstmontag Mittags eingefallen sind, an ein Picknick, bei dem wir abschließend die Bank zerlegt haben und auch an diverse hastige Suchen nach Unterstellmöglichkeiten bei plötzlichen Wolkenbrüchen. Neben diesen großen Radtouren haben wir häufig an Samstagen oder Sonntagen kleinere Radtouren in Köln oder im Kölner Umland gemacht. Oft sind wir zum Sürther Bootshaus oder nach Zündorf gefahren. Einmal sind wir auch mit dem Fahrrad nach Bonn und dann mit der KD gemütlich auf dem Rhein zurück gefahren.
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| Bilder von Radtouren: |
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| 2001 im Münsterland (links und Mitte), 2004 an der Nahe (rechtes Bild) |
Essen & Trinken
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| Essen & Trinken - ein wichtiges Thema!: |
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| 2004 in Bad Hofgastein, Nachtisch eines Festmenüs 1997, selbst gemachte Tapas auf Mallorca 1999, Hamburger Hafen 1996, Vorbereitung unserer Umzugsparty 2000, bei einem Glas Wein im Restaurant Limone in Köln 2003 |
Freunde
Ich glaube, Astrid hat nicht nur mir und ihrer Familie, sondern auch vielen anderen Menschen sehr viel bedeutet. Ein schöner Beweis hierfür war ihre Beerdigung, zu der viele Menschen kamen, auch einige, die wir etwas aus den Augen verloren hatten und die ich daher nicht erwartet hätte. Um so mehr habe ich mich über ihr Kommen gefreut. Was ich von Astrid lernen kann: Obwohl eigentlich eher ein zurückhaltender und ruhiger Mensch, hat sie es verstanden, Freundschaften zu pflegen und neue Freundschaften aufzubauen. Sie hat sich oft mit ihren/unseren Freunden verabredet und unheimlich gerne Dinge mit ihnen unternommen, kleine Dinge (z.B. Verabredungen zu einem Café nach Feierabend) oder größere Dinge (z.B. die schon erwähnten Pfingst-Radtouren). Ich erinnere mich gerne an die gemeinsam erlebten Stunden- mit den Freunden aus der Volleyball-Zeit, allen voran Sebastian, mit dem sie einige Jahre eng befreundet war, und natürlich Heiko und Julia, zu denen der Kontakt auch dann noch intensiv blieb, als sie nach Norwegen zogen. Es waren schöne Abende, die wir mit Volleyball-Spielen und mit Klönen, Grillen und Bier- und Wein-Trinken am Decksteiner Weiher und bei unseren Holland-Trips verbracht haben.
- mit den Freunden, die sie durch ihr Trainee-Programm bei der IDG kennen gelernt hat, hier natürlich vor allem Ilona und Michi sowie Antje und Alex. Ich erinnere mich an viele gemütliche Abende, viele gute Essen und auch einige gemeinsam geleerte Weinflaschen, außerdem natürlich an viele schöne Radtouren, große wie kleine.
- mit Andrea und Richard, mit denen wir in den letzten Jahren viel unternommen haben und die gerade auch in Astrids letzten Wochen viel und gerne für sie da waren. Ich erinnere mich noch an unseren letzten großen Spaziergang am 3. Adventwochenende 2004, der zwar einerseits ein bisschen bitter (Astrid saß im Rollstuhl und war schon sehr geschwächt), aber trotzdem auch schön war.
- mit Frank, den sie zwar gar nicht so oft gesehen hat, mit dem sie aber sicher wie mit kaum einem anderen auf einer Wellenlänge lag.
- mit Ramona, die einzige gute Freundschaft aus Uni-Zeiten, die all die Jahre überdauert hat. Ich erinnere mich gerne an unser gemeinsames Wochenende bei ihren Eltern (damals noch zusammen mit Ilona), an den Barfusspfad, den wir gemeinsam abgegangen sind, und auch an den Absturz am Abend mit diesen furchtbaren kleinen Feiglingen, die irgend jemand permanent angeschleppt hat.
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| Bilder von Astrid mit einigen ihrer Freunde: |
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| 2000 in Holland, 2003 während der Pfingstradtour |
Und sonst?
So, das waren jetzt bis hierhin ganz schön viele Erinnerungen. Trotz aller Ausführlichkeit ist es aber nur ein kleiner Teil von all dem, was ich mit Astrid erlebt habe. Vieles passt in keines der Kapitel und es gibt auch keine Fotos davon. Es sind die vielen Kleinigkeiten, Bilder und Eindrücke, die ich gar nicht alle zusammen tragen kann, z.B.- wie sie bis zu den Ohren eingekuschelt im Bett liegt, einen der Elche fest an sich gedrückt
- wie wir nach dem Sonntags-Frühstück einfach noch mit ein paar Tassen Tee auf dem Sofa faulenzen und ein wenig Fern gucken (z.B. Ladykracher oder Genial daneben)
- wie wir im Café Sur sitzen und Milchcafé (in den letzten Jahren bevorzugte Astrid Karo-Milchcafé) trinken und Pebetes essen
- wie wir eine kleine Runde durch den Volksgarten oder die Südstadt drehen
- wie wir Abends zusammen auf unserer Terrasse ein Glas Wein trinken
- wie wir zusammen einen Samstag Einkaufen gehen oder durch die Stadt bummeln, immer mal wieder unterbrochen durch einen Kaffee
- wie wir zusammen mit Freunden um unseren Tisch sitzen, Nudeln essen, Wein trinken und quatschen
- wie sie zu ihrem Spitznamen gekommen ist: Poppi. Der entstand schon früh, in unserem ersten gemeinsamen Jahr. Eines Nachts habe ich - wohl ziemlich verschlafen - so etwas gemurmelt wie: "Hier riecht es total nach Popcorn. (An ihr riechend:) Bist Du das? Hey, Du bist ja ein Poppi." Der Name blieb. Sie hat ihn geliebt und oft von sich selber als "das Poppi" gesprochen.
Und es scheint mir unmöglich,
ohne Deine Anwesenheit zu leben.
Weil ich Dich liebte,
habe ich Dich so sehr gebraucht.
Und jetzt will ich lernen,
Dich zu lieben,
ohne Dich an meiner Seite zu haben.
(René Juan Trossero)